Bei der Beantwortung der oben gestellten Frage muss man berücksichtigen, dass der Begriff des Kapitalismus gerade in Deutschland lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verpönt war. Man sprach lieber von „Marktwirtschaft“ und speziell von der „Sozialen Marktwirtschaft“. Wenn überhaupt das Wort „Kapitalismus“ in den Mund genommen wurde, dann in der Kombination „Rheinischer Kapitalismus“, einer sozial abgefederten Variante. Solche Vorbehalte gegenüber diesem Begriff gab es in anderen Ländern und auch in früheren Zeiten in Deutschland nicht in diesem Maße, man denke etwa an die Studien von Max Weber oder die umfangreiche Geschichte des Kapitalismus von Werner Sombart (siehe etwa Kocka 2015). Allerdings ändert sich dies, man kann sogar eine zunehmende Rezeption der Schriften von Karl Marx – zumindest in den Sozialwissenschaften – feststellen (siehe etwa Jaeggi/Loick 2014).

Stellt man nunmehr die eingangs formulierte Frage anders und fragt danach, ob die „Marktwirtschaft“ alternativlos ist, dann sieht man, dass die Antworten sehr weit auseinandergehen. So hält eine Gruppe von Menschen die „Marktwirtschaft“ in der Tat für alternativlos und will sie sogar als Staatsziel verbindlich im Grundgesetz verankern. Auch im Mainstream der Wirtschaftswissenschaften kann man sich Alternativen zu einer marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaft kaum vorstellen und verweist oft auf das Scheitern der Staaten, die sich als sozialistisch bezeichnet haben. Allerdings wächst die Kritik sowohl in der Wissenschaft als auch an dieser Wirtschaftsform in der Praxis, wobei es unterschiedliche Ansatzpunkte für eine solche Kritik gibt: unter anderen eine sich dramatisch vergrößernde Ungleichheit (z. B. Piketty 2014), eine Zunahme weltweiter Krisen wie etwa der Finanzkrise, eine wachsende Massenarbeitslosigkeit, ein Ansteigen psychischer Erkrankungen, Umweltzerstörungen, die Vergrößerung der Spannungen zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden, die Verschlechterung der Lebensbedingungen der Menschen (Ernährung, Gesundheit, Wohnen, Umweltbedingungen etc.), eine wachsende oder sogar immer schon vorhandene Unverträglichkeit mit der Demokratie.

Eine Kritik am Kapitalismus kann sich daher auf verschiedene, als problematisch identifizierte Ursachen beziehen. Man kann sie zudem auf der Basis unterschiedlicher weltanschaulicher Grundüberzeugungen formulieren, etwa aus der Perspektive der Katholischen Soziallehre und insgesamt einer christlichen oder anderen religiösen Überzeugung, aus sozialen, kulturellen, persönlichkeitsbezogenen, ökologischen und auch ökonomischen Gründen. Es gibt allerdings auch Kritik an Aspekten des jeweils vorherrschenden Kapitalismus, die das Ziel hat, den Kapitalismus selbst zu verbessern. Zu letzterer gehört etwa die erste Schule der Neoliberalen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Alexander Rüstow und andere, aus der auch die „Gründungsväter“ der Sozialen Marktwirtschaft stammen), die dem damaligen Kapitalismus die Zerstörung genuin marktwirtschaftlicher Prinzipien wie etwa dem der Konkurrenz vorwarfen und die daher starke Kartellgesetze und – anders als der aktuelle Neoliberalismus – einen starken kontrollierenden Start forderten.

Es gibt Kapitalismuskritik von links und von rechts. Kritik von rechts hat gerade in Deutschland eine Tradition im Rahmen nationalsozialistischer Bewegungen, als man eine Verbindung zwischen Kapitalismus und Judentum herstellte. Interessant ist eine Kritik am Kapitalismus, die diesen an von ihm selbst gesetzten Zielen misst. Man erinnere sich, dass der Begründer der Theorie des Kapitalismus, nämlich Adam Smith, kein Ökonom, sondern Moralphilosoph war und in dieser neuen Wirtschaftsordnung den Wunsch nach Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit für alle verband.

Diese Position gibt es bis heute, wenn behauptet wird, dass eine kapitalistische Wirtschaftsordnung auch in moralischer Hinsicht alternativlos sei, weil sich nur durch diese Ordnung zentrale Probleme der Ungleichheit und Ungerechtigkeit beseitigen ließen (so etwa aktuell der Wirtschaftsethiker Ingo Pies 2021, etwa im Anschluss an Milton Friedman). 

Dieser kursorische Durchgang durch das weite und heterogene Feld der Kapitalismuskritik hat im Hinblick auf die Frage nach Alternativen den Sinn, dass sich bestimmte Konzeptionen alternativer Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle auf die Identifikation bestimmter ausgewählter Krisenerscheinungen und Fehlentwicklungen beziehen und in ihrem Vorschlag nur diese identifizierten Krisenursachen beseitigen wollen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass „Kapitalismus“ ein Pluralitätsbegriff ist, dass man nämlich unterschiedliche Ausformungen unterscheiden muss. So gibt es den oben erwähnten Rheinischen Kapitalismus (soziale Marktwirtschaft), es gibt den (früheren) skandinavischen sozialstaatlichen Kapitalismus, es gibt die neoliberale Variante, so wie sie zuerst in Großbritannien und den USA propagiert wurde (Margret Thatcher, Ronald Reagan) und wie sie im Grundsatz von Tony Blair (New Labour) und Gerhard Schröder (Agenda 2010) fortgeführt wurde. Es gibt die kapitalistischen Entwicklungsmodelle der sogenannten Tigerstaaten und Mischmodelle wie etwa aktuell in China. Man spricht daher aus guten Gründen von Varieties of Capitalism (Hall/Soskice 2001) und man muss zudem die gut begründete These berücksichtigen, dass es dem Kapitalismus immer wieder gelungen ist, ausgesprochen wandlungsfähig jeweils vorgetragene Kritik zu integrieren (Boltanski/Chiapello 2006). So zeigt etwa das Glossar der Gegenwart (Bröckling/Krasmann/Lemke 2004), in welchem Umfang ursprünglich emanzipatorisch gedachte Begriffe und Konzepte, so wie sie auch positiv in der Erziehungswissenschaft verwendet werden, in neoliberaler Perspektive umgedeutet und vereinnahmt werden. 

Einige Alternativen zum (auch digitalen) Kapitalismus

 

Sozialismus contra Kapitalismus

Die bislang wirkungsvollste Alternative zu einer kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung war die aufgrund der Russischen Revolution im Jahre 1917 entstandene Sowjetunion, die im Laufe des 20. Jahrhunderts ihren Macht- und Einflussbereich erweiterte. Zwar beriefen sich Lenin und seine Mitstreiter auf Karl Marx und Friedrich Engels, die wesentlich zur theoretischen Fundierung sozialistischer Modelle und der Arbeiterbewegung beigetragen haben und die auch eine wichtige Rolle in deren praktischer Politik spielten. Doch entstand ein sich sozialistisch nennendes Regime entgegen der Prognose von Marx und Engels gerade nicht in den entwickelten Industrieländern mit einer starken Arbeiterbewegung. Es ist auch fraglich, inwieweit sich die theoretischen und konzeptionellen Weiterentwicklungen im russischen Einflussbereich und später in China und in Südostasien auf Konzeptionen des 19. Jahrhunderts beziehen konnten.

Immerhin wurde ein zentrales Prinzip dieser Konzeptionen umgesetzt, nämlich die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln. Allerdings haben die (z.T. menschenfeindlichen) Formen der Realisierung (z. B. Stalin; Kulturrevolution in China) marxistisches Denken für lange Zeit im Westen diskreditiert. In späteren, sich marxistisch verstehenden Theorieansätzen wurde das ökonomische Prinzip durch die Einbeziehung einer kulturellen Dimension ergänzt und zum Teil ersetzt (etwa bei dem italienischen Theoretiker und Aktivisten Antonio Gramsci). So hat man etwa in der einflussreichen philosophisch-soziologisch orientierten „Kritischen Theorie“ der Frankfurter Schule weitgehend auf die Einbeziehung ökonomischer Fragen verzichtet.

 

Immanente Kapitalismusreform

Bei der Suche nach Alternativen wurde oben als ein wichtiger Ansatz der Bereich unterschiedlicher Reformbemühungen innerhalb des Kapitalismus genannt. Die grundgesetzlich vorgegebene Zielstellung des Sozialstaates, also der Ausbau und die Erhaltung eines sozialen Netzes, kann zu diesem Feld gezählt werden. Spätestens seit dem Godesberger Programm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands aus dem Jahr 1959 hat die SPD sozialistische Vorstellungen aufgegeben. Aktuell gehören in diesen Kontext einer Reform des Kapitalismus innerhalb des kapitalistischen Systems Vorschläge zu einem New Green Deal (in Anlehnung an den New Deal mit seinen Wirtschafts- und Sozialreformen nach der großen Weltwirtschaftskrise unter dem Präsidenten Franklin D. Roosevelt), so wie sie von der amerikanischen Vizepräsidentin Kamala Harris (im Wahlkampf) unterbreitet wurden. Allerdings ist seit ihrem Amtsantritt nach dieser programmatischen Ankündigung nichts mehr geschehen.

In diesen Kontext gehören Überlegungen zu einem „Grünen Kapitalismus“, bei dem es etwa darum geht, Emissionen zu reduzieren, Lieferketten zu verfolgen und insgesamt mehr in der Wirtschaft für den Umweltschutz zu tun (siehe Fatheuer 2015). Bereits Niklas Luhmann hat in seiner Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen seiner Zeit festgestellt, dass moralische Appelle in der Wirtschaft nicht funktionieren, da die Wirtschaft als Subsystem nur die subsystemspezifische Sprache, nämlich die Sprache des Kommunikationsmediums Geld verstehe. Folgt man diesem Ansatz, dann bedeutet dies eine verstärkte Regulierung des Wirtschaftslebens (Produktion, Distribution und Konsum) durch den Staat, und dies heute in globaler Perspektive. Daraus folgt unter anderem, dass auch weltweite Handelsabkommen wie GATS oder TTIP nicht bloß im Hinblick darauf untersucht werden müssen, inwieweit durch sie Güter und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge kommodifiziert werden, sondern inwieweit auch Aspekte globaler Gerechtigkeit (Disparitäten zwischen dem Globalen Norden und Süden), die Durchsetzung sozialer Mindeststandards etwa im Bereich der Beschäftigung und insbesondere Fragen des Ressourcenverbrauchs und des Umweltschutzes berücksichtigt werden müssen.

 

Kritik am Wachstumsparadigma

Als wesentliches Merkmal des Kapitalismus und zugleich als wichtiger Kritikpunkt gilt seine Ausrichtung auf ein ständiges Wachstum. Dies spielt schon bei der grundsätzlichen Bestimmung des kapitalistischen Wirtschaftens bei Marx eine Rolle, wenn nämlich eine gewisse Menge Geld G in die Produktion mit dem Ziel investiert wird, dass eine größere Menge Geld G‘ das Ergebnis ist. Viele vertreten die Meinung, dass ein Kapitalismus ohne diese Wachstumsausrichtung nicht möglich ist. Damit werden Kritiker an dieser Wachstumsideologie zugleich zu Kritiker des Kapitalismus.

Solche Kritiken gab es schon früher, so hat etwa der Soziologe Gerhard Schulze („Die Erlebnisgesellschaft“) das „Steigerungsspiel“ unserer Wirtschaftsordnung kritisiert (Schulze 2003). Es gehören die Schriften des Kulturwissenschaftlers Richard Sennett in diesen Kontext, der Soziologe Hartmut Rosa hat den Trend zur Beschleunigung mit seinen Folgen auf Gesellschaft und den Einzelnen analysiert. Es geht hierbei sowohl um eine Kritik an der Massenproduktion, allerdings auch um die Kritik am Konsumverhalten der Menschen, denn immerhin sollen die hergestellten Produkte auch gekauft werden. Man diskutiert in diesem Zusammenhang heute „Postwachstumsgesellschaften“ und „Degrowth“.

 

Kapitalismuskritik, Dekolonialisierung und das Konzept des guten Lebens

Eine interessante Debatte hat sich hierbei zwischen Anhängern der Degrowth-Theorie, die eher in entwickelten Ländern entstanden ist und vertreten wird, und konzeptionellen Ansätzen aus Ländern des Globalen Südens entwickelt. So diskutieren etwa lateinamerikanische Autorinnen und Autoren das Problem, dass ihr Kontinent nahezu ausschließlich als Lieferant für wichtige Rohstoffe (Kupfer, Lithium etc.) und Nahrungsmittel dient, wobei sich die weiterverarbeitenden Industrien außerhalb der betreffenden Länder befinden. Man spricht daher von einem Post-Extraktivismus und es gab die Dependenz-Theorie, nämlich die eigene Wirtschaft aus der Abhängigkeit der von westlichen Industrieländern monopolisierten globalen Wirtschaft zu befreien. Dies ist allerdings nicht gelungen, da es auch in den Ländern des Globalen Südens einflussreiche nationale Eliten gibt, die von der jetzigen Situation profitieren. Zudem hat der Westen auch vor einem Einsatz militärischer Mittel nicht zurückgeschreckt, um seine Interessen zu wahren. Interessant ist, dass man sich in diesen Debatten auf normative und ethische Prinzipien bezieht, die indigenen Völkern in Lateinamerika und im Süden Afrikas entwickelt wurden, nämlich zum einen das Prinzipien buen vivir („gutes Leben“) und Ubuntu (ein Prinzip der Gemeinschaftlichkeit). Ulrich Brand als Vertreter Degrowth-Theorie und Alberto Acosta, ein Ökonom, der in Deutschland studiert hat und der als Vorsitzender der verfassungsgebenden Versammlung in Ecuador dafür gesorgt hat, dass buen vivir sogar ein Verfassungsprinzip wurde, sind in diesem Zusammenhang in einen produktiven Austausch kommen (Acosta/Brand 2018). Man hat die Anschlussfähigkeit an ein von Ulrich Band und Markus Wissen entwickeltes Konzept gesehen, nämlich das Konzept einer „imperialen Lebensweise“ (mit dem Untertitel: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus; Brand/Wissen 2017).

 

Privateigentum oder Commons?

Ein Aspekt in diesen kapitalismuskritischen Debatten ist die Kritik am Privateigentum und am (Besitz-)Individualismus westlicher Kulturen. Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass der Gedanke der Commons und der Allmende in unterschiedlichen Disziplinen – auch im Bereich der neuen Medien – starke Befürworter*innen findet, was immerhin dazu geführt hat, dass Elinor Ostrom im Jahr 2009 für ihre Arbeiten zu den Commons als erste Frau den Wirtschafts-Nobelpreis bekommen hat. Auch die Arbeiten des Philosophen und Ökonomen Amartya Sen, ebenfalls Wirtschafts-Nobelpreisträger, gehören in diesen Kontext.

Innerhalb kapitalistischer Wirtschaftsordnungen entwickeln sich zunehmend Oasen, in denen versucht wird, sich aus den üblichen gesellschaftlichen Handlungslogiken zumindest zeitweise auszuklinken. Es geht um lokale Tauschbörsen oder um die Gründung von Genossenschaften als Formen einer solidarischen Ökonomie. Bei all diesen Initiativen und Ansätzen geht es letztlich um die Frage, was es für jeden Einzelnen bedeutet, ein „gutes Leben“, und dies in Solidarität mit den anderen und auch zukünftigen Menschen, zu führen (vgl. Fuchs 2019).

 

Kapitalismuskritik und Nachhaltigkeitsdiskurse

Neben dem Aspekt einer fehlenden internationalen Solidarität in der globalen Weltwirtschaft, also einer systematischen Benachteiligung von Ländern des Globalen Südens, spielt eine kritische Haltung zum Kapitalismus im Kontext der Umweltschutzbewegungen eine wichtige Rolle, wobei nicht immer die Systemfrage gestellt wird. So spricht etwa der „Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WBGU) in seinen Studien und Empfehlungen von einer notwendigen Transformation, vermeidet aber letztlich Aussagen zur Systemfrage (vgl. etwa WBGU 2019). Weiter geht an dieser Stelle das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie, das bereits in früheren Jahren zusammen mit dem die BUND und Organisationen der beiden christlichen Kirchen unter dem Titel „Zukunftsfähiges Deutschland“ wichtige Impulse gegeben hat. In einer letzten großen Veröffentlichung „Die große Transformation“ (Schneidewind 2018) wird zum einen die wirtschaftspolitische Zurückhaltung der Impulse des WBGU kritisiert und explizit von „nachhaltiger Entwicklung und der Transformation des modernen globalen Kapitalismus“ (65 ff.) gesprochen:

 „Die Debatte über eine nachhaltige Entwicklung in eine solche Richtung zu öffnen ist ein in vielerlei Hinsicht gewagtes Unterfangen. Unter anderem bedeutet es, auf einen äußerst ausdifferenzierten und elaborierten, insbesondere sozialwissenschaftlichen Kanon moderner Kapitalismuskritik zurückzugreifen.“ (67)

Unter anderem wird auf die Gefahr der gewachsenen ökonomischen Ungleichheit und der damit verbundenen Destabilisierung moderner Demokratien (85 ff) hingewiesen. Der Freiburger Soziologe (und Herausgeber der Werke von Helmuth Plessner) Günther Dux unterstützt (und verschärft) diese These in umfangreichen, anthropologisch gestützten Studien: Kapitalismus und Demokratie schließen sich aus (Dux 2013).

 

Schlussbemerkung 

Es ist immer wieder interessant, festzustellen, dass das „Kommunistische Manifest“ von Marx und Engels auch von solchen Autoren gelobt wird, die sich keineswegs als Marxisten verstehen. Insbesondere wird hervorgehoben, dass die beiden Autoren die Errungenschaften der kapitalistischen Wirtschaftsordnung im Hinblick auf die Produktivität und die Möglichkeit, Menschen ein besseres Leben zu geben, hervorheben. Heutige Kapitalismuskritik darf diesen Aspekt der Versprechungen und durchaus auch der Leistungen des Kapitalismus nicht übersehen. Dies gilt auch für den digitalen Kapitalismus. Im Hinblick auf die in der Überschrift gestellte Frage kann man nach den oben vorgestellten ausgewählten Hinweisen feststellen, dass der aktuelle Kapitalismus keineswegs alternativlos ist. Wie alle menschlichen Errungenschaften ist er ein Gestaltungsergebnis und eine Gestaltungsaufgabe, wobei sich Ziele, Akteure, Handlungsformen und Schwerpunkte von Kritikern unterscheiden können. Wichtig wäre es, entsprechende praktische, politische und theoretische Impulse zu bündeln und in ihrer Gemeinsamkeit zu sehen, anstatt sich auf Differenzen und aus je individueller Sicht „falsche“ Ansätze zu konzentrieren.

Literatur

Es gibt inzwischen eine lebendige wissenschaftliche Debatte über Alternativen zum Kapitalismus. Eine gute Quelle für Ansätze und Forscher*innen, die an diesem Thema arbeiten, bietet der Podcast von Jan Groos Future Histories: https://www.futurehistories.today

 

Dazu gibt es auf youtube Kurzfilme, in denen Kernbegriffe erläutert werden.

Acosta, Alberto/Brand, Ulrich (2017): Radikale Alternative. München: Oekom.

Boltanski, Luc/Chiapello, Eve (Hrsg.*innen)(2006): Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz: UVK.

Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise. München: Oekom.

Bröckling, Ulrich/Krasmann, Susanne/Lemke, Thomas (Hrsg*innen)(2004): Glossar der Gegenwart. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Dux, Günter (2013): Demokratie als Lebensform. Weilerswist: Velbrück.

Fatheuer, Thomas u. a. (2015): Kritik der Grünen Ökonomie. München: Oekom.

Fuchs, Max (2019): das gute Leben in einer wohlgeordneten Gesellschaft. Weinheim/Basel: Beltz-Juventa.

Fuchs, Max (2021): Eurozentrismus. München: Kopaed (i.D.).

Hall, Peter/Soskice, Davis (2001): Varieties of Capitalism. Oxford: Oxford Press.

Jaeggi, Rahel/Loick, Daniel (Hrsg*innen)(2014): Nach Marx. Berlin: Suhrkamp.

Kocka, Jürgen (2015): Geschichte des Kapitalismus. Bonn: BpB.

Pies, Ingo (2021): Kapitalismus als System zur Verwirklichung moralischer Anliegen. In: POLITIKUM 2021, 68-73.

Piketty, Thomas (2014): Das Kapital im 21. Jahrhundert. München: Beck.

POLITIKUM, Thema: Kapitalismuskritik, Heft 3/2021, Hrsg. Hans-Jürgen Bieling), Frankfurt/M.: Wochenschau-Verlag.

Schneidewind, Uwe (2018): Die Große Transformation. Frankfurt/M.: Fischer.

Schulze, Gerhard (2003): Die beste aller Welten. München: Hanser.

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (2019): Transformation unserer Welt im Digitalen Zeitalter. Berlin: Selbstverlag.

 


Prof. Dr. Max Fuchs

Persönliche Webseite: https://www.maxfuchs.eu

Der Text wurde im Mai 2022 in die Webseite der Initiative Bildung und digitaler Kapitalismus integriert. Er ist unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND International 4.0 verfügbar (Namensnennung, nicht-kommerziell. keine Bearbeitung).